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Uwe Spieß
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Amy

Wenn Glaube Angst macht – Amys Weg aus toxischer Theologie

Was passiert, wenn der eigene Glaube nicht mehr trägt, sondern erdrückt?

In dieser bewegenden Folge erzählt Amy ihre ganz persönliche Geschichte: von einem Glauben, der von Angst, Perfektionismus und falschen Erwartungen geprägt war – hin zu einer mühsamen, ehrlichen Dekonstruktion. Sie spricht offen über toxische Theologien, über das Frauenbild in kirchlichen Kontexten und ihre Erfahrungen in der Landeskirche.

Dabei wird spürbar: Dekonstruktion ist kein intellektuelles Hobby. Es ist ein existenzieller Prozess.

Zwischen Höllenangst und Selbstzweifeln

Ein zentrales Thema des Gesprächs ist die Höllenlehre – und was sie im Inneren anrichten kann. Wenn Glaube vor allem mit Drohung, Druck und „Nicht-genug-Sein“ verbunden ist, hinterlässt das Spuren: im Selbstwert, im Gottesbild, im eigenen Körper.

Wir sprechen über religiöses Trauma, über Trauma Bonding in geistlichen Kontexten und über die oft schmerzhafte Realität von Traumatherapie. Amy beschreibt ehrlich, wie tief diese Prägungen reichen – und wie schwer es ist, sie zu lösen.

Die Entdeckung einer größeren Hoffnung

Und doch bleibt es nicht bei der Dunkelheit.

Amy erzählt von ihrer vorsichtigen Annäherung an neue theologische Perspektiven – unter anderem an die Hoffnung der Allversöhnung. Eine Theologie, die nicht mit Angst arbeitet, sondern mit bedingungsloser Liebe. Eine Sicht auf Gott, die heilt statt klein macht.

Es geht um die Frage:
Was, wenn Gott besser ist, als wir gelernt haben?

Dekonstruktion als Weg zur Heilung

Dieses Gespräch ist ehrlich, verletzlich und zugleich hoffnungsvoll. Es zeigt: Dekonstruktion kann Verlust bedeuten – aber auch Befreiung. Sie kann Glaubenssätze zerbrechen – und Raum schaffen für einen reiferen, freieren Glauben.

Eine Folge für alle,

  • die mit Angsttheologie gerungen haben
  • die ihr Gottesbild hinterfragen
  • die unter religiösem Perfektionismus leiden
  • oder die sich fragen, ob nach dem Zerbruch noch etwas Tragfähiges bleibt

Aufgrund der Anzahl von Links findet ihr diese hier in einem PDF: https://hausverbot-im-beichtstuhl.de/wp-content/uploads/2026/02/Folge-039-Hoellenlehre-Links.pdf

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(00:00:00) Begrüßung und persönliche Geschichten
(00:04:04) Dekonstruktion als Thema
(00:07:45) Gemeindlicher Hintergrund
(00:09:00) Erfahrungen mit Purity Culture in pietistischen Kreisen
(00:10:55) Die Höllenlehre und ihre Auswirkungen
(00:13:00) Angst und Überperfektionismus im Glauben
(00:14:16) Bekehrung(en) aus Angst
(00:16:30) Die Unterordnung der Frau in der Kirche
(00:18:34) Berufswünsche und gesellschaftliche Erwartungen
(00:20:16) Empathie und Glaubenskonflikte
(00:23:50) Trauma und Selbstwertgefühl
(00:25:38) Schuldgefühle und Verantwortung im Glauben
(00:27:28) Ängste und Glauben
(00:30:32) Angst um andere und Corona
(00:32:02) Die furchtbare Pflicht, Vorbild zu sein
(00:34:25) Erkenntnis über Gott und Vorherwissen
(00:36:20) Sonnenstrahl-Bilder / Suche nach Hilfe
(00:37:16) Erforschung der Allversöhnung
(00:43:02) Entwicklung des Glaubens durch die Allversöhnung
(00:45:53) Veränderung der Beziehung zu Gott
(00:47:15) Die Herausforderungen der Traumatherapie und religiösen Traumata
(00:49:49) Die Hölle als spirituelles Stockholm-Syndrom
(00:53:16) Trauma Bonding und toxische Theologie
(00:58:10) Veränderung der subjektiven Realität und der Gefühle
(01:01:07) Der Verlust der eigenen Identität
(01:03:05) Reflexion über die eigene Glaubensgeschichte und Dekonstruktion
(01:06:43) Nahtoderfahrungen und ihre Bedeutung
(01:08:34) Nahtoderfahrungen von Christen
(01:09:54) Resignation und Unterwerfung
(01:12:43) Die Auswirkungen der Höllenlehre
(01:17:23) Die Suche nach Liebe und Akzeptanz
(01:20:03) Nachtrag zum Thema Endgericht
(01:21:57) Ende


2 Antworten zu „#039 – Die Höllenlehre – das spirituelle Stockholm-Syndrom – mit Amy“

  1. Avatar von H.T.Schubert
    H.T.Schubert

    Hier noch ein paar weiterführende Gedanken:

    Teil 1/2

    Die Geschichte der Hölle
    (oder, Vom Grenzland zur warnenden Rede)

    Am südwestlichen Rand des alten Jerusalem zieht sich ein tief eingeschnittenes Tal entlang, dessen Hänge seit alters her eine markante Grenze zwischen Siedlungsgebieten bildeten. Zum ersten Mal tritt es in den biblischen Texten auf, als Josua die Stämme Israels im Land verteilte. Die Grenze Judas verlief „vom Ende des Bergrückens … hinab ins Tal des Sohnes Hinnoms“ (Gê Ben-Hinnom; Josua 15,8). Auch bei der Abgrenzung des Stammes Benjamin wird es genannt (Josua 18,16). Hier erscheint es noch völlig nüchtern und als feste geographische Markierung im Land Israel.

    1. Vom Grenzzeichen zum Kultort

    Über Generationen blieb das Tal ein unscheinbarer Teil der Stadtrandlandschaft Jerusalems. Doch in der Königszeit nahm seine Geschichte eine düstere Wendung. Unter König Ahas wird berichtet, daß er „seine Söhne im Feuer opferte im Tal Ben-Hinnom“ (2. Chronika 28,3). Später tat König Manasse ebenso (2. Chronika 33,6). Der Ort erhielt dafür einen eigenen Namen: Tophet – ein Brandopferplatz, an dem Kinder „durchs Feuer gehen“ gelassen wurden (2. Könige 23,10).

    Diese Praxis stand im scharfen Widerspruch zu den Geboten JHWHs und wird in den Schriften als abscheulicher Greuel verurteilt. Der ursprünglich neutrale Grenzort wurde zu einem Symbol für Götzendienst und Ungehorsam gegenüber Gott.

    2. Die prophetische Umbenennung

    Mit den Propheten, besonders Jeremia, tritt das Tal erneut in den Vordergrund. Jeremia kündigt im Auftrag JHWHs an:

    „darum siehe, Tage kommen, spricht JHWH, da dieser Ort nicht mehr Tophet (Brandstätte/Greuelstätte) und Tal des Sohnes Hinnoms, sondern Würgetal genannt werden wird (Jeremia 19,6).

    Hier wird die Zukunft des Ortes gezeichnet: Er werde Schauplatz eines Massakers werden. „Und ich werde den Rat von Juda und Jerusalem vereiteln an diesem Ort und werde sie durchs Schwert fallen lassen vor ihren Feinden und durch die Hand derer, die nach ihrem Leben trachten; und ich werde ihre Leichname den Vögeln des Himmels und den Tieren der Erde zum Fraß geben. (Jeremia 19,7).

    Die prophetische Rede ist ausdrücklich örtlich verankert: Sie spricht nicht von einem jenseitigen, zeitlosen Strafraum, sondern von einem realen Tal vor den Toren Jerusalems, in dem künftig Gerichtshandlungen stattfinden sollten. Die Zeitform „es werden Tage kommen“ projiziert diese Ereignisse in ein künftiges Zeitalter (aiṓn im späteren Griechisch), das durch göttliches Gericht gekennzeichnet ist.

    3. Zwischen Rückkehr und Erinnerung

    Nach dem Exil taucht das Tal in Nehemia 11,30 wieder auf, nüchtern als geographische Begrenzung. Die Kultpraktiken waren verschwunden, doch die Erinnerung an seine dunkle Vergangenheit blieb lebendig. In den Schriften Jeremias und Jesajas (z. B. Jesaja 30,33) hatte es sich bereits als Ort des Gerichts außerhalb Jerusalems eingebrannt.

    Vom so bezeichneten Alten ins Neue Testament: Gehenna als realer Ortsname

    Mit der Übersetzung der hebräischen Schriften ins Griechische, der sogenannten Septuaginta, fand auch der Name des Tals seinen Weg in die Sprache der hellenistischen Welt. Wo im Hebräischen vom Gê Ben-Hinnom die Rede war, stand nun im Griechischen der lautnahe Ausdruck Γαιεννά (Gaienná) oder in späterer Schreibung Γέεννα (Gehenna). Damit war der Name nicht nur für aramäisch und hebräisch Sprechende verständlich, sondern auch für jene Juden in der Diaspora, die die Schrift in der Sprache der Griechen lasen.

    In der Zeit des Zweiten Tempels, jener Epoche zwischen dem Wiederaufbau des Tempels nach dem babylonischen Exil und seiner Zerstörung im Jahr 70 n. Chr., war der Ort nicht nur Teil der topographischen Realität Jerusalems, sondern auch tief in das kollektive Bewusstsein eingebettet. Die steilen, kahlen Hänge südlich der Stadtmauer waren von vielen Stellen aus sichtbar. Wer sie betrachtete, erinnerte sich an die Schilderungen der Propheten: an die Opferfeuer des Tophet, an die Gerichtsworte Jeremias, an den neuen Namen „Würgetal“.

    Für die damaligen Gläubigen aus Israel und Proselyten, die aus allen Teilen des Landes und der Diaspora zum Tempel (oder in die Nähe) hinaufzogen, war der Name Gehenna kein fernes, rätselhaftes Wort. Er war Teil der Geschichte des Landes das an Jerusalem angrenzt, ein Stück Erde, das zugleich Mahnmal und Warnung war. So konnte er im Sprachgebrauch dieser Zeit nahtlos sowohl als geographische Bezeichnung dienen als auch als Erinnerung für göttliches und zukünftiges Gericht in einem kommenden Zeitalter (aiṓn), wie es die Schriften ankündigten.

    4. Jesus und die Gehenna

    Jesus, der für das Volk Israel verheißene Messias (Christus) und erwartete König, benutzte den Begriff Gehenna im Kontext der Proklamation des kommenden messianischen Königreiches auf der Erde
    Jesus von Nazareth verkündigte den Anbruch der Königsherrschaft Gottes (Matthäus 4,17) und warnte zugleich eindringlich vor den Konsequenzen verfehlten Handelns. Dabei griff er immer wieder auf den Namen des Tals zurück:

    – „Ich aber sage euch: Jeder, der seinem Bruder zürnt, soll dem Gericht verfallen sein. Wer aber ‚Raka‘ zu seinem Bruder sagt, soll dem Synedrium verfallen sein. Wer aber ‚Tor‘ zu ihm sagt., soll der Gehenna des Feuers verfallen sein.“ (Matthäus 5,22)

    – „Ich aber sage euch: Jeder, der eine Frau anblickt, um sie zu begehren, treibt mit ihr schon Ehebruch in seinem Herzen. Wenn dein rechtes Auge dir zum Fallstrick wird, so reiß es heraus und wirf es von dir; denn förderlicher wäre es für dich, daß eines deiner Glieder umkomme und nicht dein ganzer Körper in die Gehenna geworfen werde.“(Matthäus 5,29-30) Hier verleiht die historische Belastung des Ortes der ethischen Mahnung besonderes Gewicht.

    – Jüngersendung: „Fürchtet vielmehr den, der sowohl Seele als auch Leib zu vernichten vermag in Gehenna“ (Matthäus 10,28; Lukas 12,5). Der reale Ort dient als warnender Bezugspunkt für das kommende Zeitalter des Gerichts.

    – Mahnung gegen Verführung und Aussicht auf das zukünftige Leben im neuen und schon im Alten Testament prophezeiten Zeitalter auf der Erde: „… besser, einäugig in das Leben einzugehen, als mit zwei Augen in Gehenna geworfen zu werden“ (Matthäus 18,9; Markus 9,43.45.47). Der Ausdruck „τὸ πῦρ τὸ αἰώνιον“ (to pyr to aiṓnion) bedeutet wörtlich „das Feuer des Zeitalters“ – also das Feuer, das zum künftigen, gottbestimmten Zeitalter gehört, nicht ein philosophisch ewiges Feuer.

    – Weherufe in Jerusalem: „… wie wollt ihr dem Gericht der Gehenna entfliehen?“ (Matthäus 23,15.33). Gesprochen innerhalb der Stadt, direkt neben dem Tal, wird die topographische Nähe maximal spürbar.

    5. Bedeutung von αἰών und αἰώνιος

    In der griechischen Sprache des NT bezeichnet αἰών (aiṓn) ein „Zeitalter“, einen begrenzten, von Gott gesetzten Abschnitt der Geschichte. αἰώνιος (aiṓnios) bedeutet „zum Zeitalter gehörig“. Wenn Jesus von „ζωὴ αἰώνιος“ (zōē aiṓnios) spricht, meint er „Leben des kommenden Zeitalters“, nicht „endloses Leben“ im modernen, philosophischen Sinn. (Siehe Teil 2/2 Exkurs)

    Ebenso bezeichnet „πῦρ αἰώνιον“ (pyr aiṓnion) ein Feuer, das für das Zeitalter des Gerichts bestimmt ist. Diese zeitalterliche Perspektive ist konsistent mit der prophetischen Ankündigung Jeremias, der Gericht und Zerstörung an diesem konkreten Ort in einer kommenden geschichtlichen Phase erwartete (Jeremia 19,6-7).

    6. Jakobus und der Ort als bleibendes Warnsymbol

    Im Brief des Jakobus erscheint der alte Ortsname ein letztes Mal im Grundtext der Bibel, diesmal tatsächlich nicht als Landbeschreibung, sondern als scharfes Bild. Jakobus schreibt:

    „Auch die Zunge ist ein Feuer, eine Welt der Ungerechtigkeit. Die Zunge ist unter unseren Gliedern als diejenige eingesetzt, die den ganzen Körper beflecken kann und das Rad des uns Angestammten entflammt wie auch von der Gehenna entflammt wird“ (Jakobus 3,6).

    Hier entfaltet sich eine Bildsprache wie eine gezielte Erinnerung an das Tal Ben-Hinnom. Wer den Namen hörte, sah vor dem inneren Auge die Abhänge südlich Jerusalems, deren Geschichte von lodernden Opferfeuern und Jeremias Gerichtsworten durchdrungen war. Jakobus nimmt diesen belasteten Ort und stellt ihn neben das Bild einer ungebändigten Zunge: ein kleines Glied, das jedoch in der Lage ist, den ganzen Menschen zu beflecken und einen zerstörerischen Kreislauf in Brand zu setzen.

    Indem er sagt, dass diese zerstörerische Flamme „von Gehenna“ entzündet werde, bindet er seine Mahnung fest an den historischen Boden Israels. Er greift nicht zu einem abstrakten, zeitlosen Strafraum, sondern zu einem konkreten Ort, dessen brennende Vergangenheit im kollektiven Gedächtnis lebendig geblieben war. So verbindet sich die Mahnung vor der zerstörerischen Macht der Worte mit der alttestamentlichen Wirklichkeit eines Ortes, an dem Feuer stets auch das Zeichen für Abkehr von Gott und drohendes Gericht gewesen war.

    7. Ein Tal durch die Zeitalter

    Vom Grenzzeichen in der Landverteilung (Josua 15,8; 18,16) über einen Ort des Götzendienstes (2. Könige 23,10; 2. Chronika 28,3; 33,6) bis hin zu einem prophetisch angekündigten Gerichtsschauplatz (Jeremia 7,31–32; 19,6–7) hat das Tal Ben-Hinnom seine Bedeutung stets aus der Verbindung von realer Geographie und geschichtlicher Phase bezogen.

    Im sogenannten Neuen Testament erscheint es als Gehenna, ein Name, der für Jesu Zeitgenossen das Gelände südlich Jerusalems ebenso aufrief wie seine alttestamentliche Vorgeschichte. In Verbindung mit den Begriffen „Zeitalter“ (αἰών) und „zeitalterlich“ (αἰώνιος) wird deutlich: Die biblischen Autoren sahen Gericht, Leben und Strafe im Rahmen von Zeitaltern, nicht in einer philosophisch endlosen „Ewigkeit“.

    So bleibt das Tal Ben-Hinnom ein biblisch verankerter, konkreter Ort, dessen Geschichte über Jahrhunderte hinweg zur Sprach- und Bildquelle für göttliches Gericht und moralische Warnung wurde, tatsächlich ein Stück Jerusalemer Boden, das die Schriften der Bibel im Zusammenhang miteinander verbindet.

    H.T.Schubert

  2. Avatar von H.T.Schubert
    H.T.Schubert

    Teil 2/2

    Exkurs und Auseinandersetzung mit der Bedeutung und Verwendung der zentralen Begriffe ‚αἰών‘ (aiṓn) und ‚αἰώνιος‘ (aiṓnios) im ursprünglichen biblischen Grundtext.

    (Bei manchen Bibelstellen mit „Ewigkeit“, bzw. „ewig“ übersetzt)

    In der antiken griechischen Sprache, besonders auch im Judentum (gegenwärtige Zeit:) des Zweiten Tempels und im sogenannten Neuen Testament, wurde „αἰών“ (aiṓn) oft verwendet, um auf bestimmte Zeitalter (wie das damals jetzige Zeitalter vs. das kommende) zu verweisen.
    In diesem Rahmen bezeichnet das davon abgeleitete Adjektiv „αἰώνιος“ (aiṓnios) die Qualität und Bestimmung eines Zeitalters (z.B. eines zukünftigen Zeitalters), was den Zusammenhang an einigen Stellen in der Bibel eine ganz bestimmte, sowie homogene Bedeutung gibt und das Vorkommen dieser beiden Wörter innerhalb des Grundtextes objektiv darstellt. Natürlich könnte man aus Neutralität eine Transliteration vorziehen und hätte immer noch ein besseres Ergebnis erzielt als sich auf das subjektiv geprägte Verständnis der bekannten Bibelübersetzer einzulassen, die ja unterschiedlichste Bedeutungen, an unterschiedlichen Stellen, zueinander unterschiedlich übersetzen.

    Zu prüfen ist an allen Stellen, der inhaltliche Bezug bei gleichbleibender Bedeutung in der Verwendung von:

    – αἰών (aiṓn) = Substantiv: „Zeitalter“.
    – αἰώνιος (aiṓnios) = Adjektiv: „zeitalterlich“ (weil „zum Zeitalter gehörend“, da es sich auf αἰών (aiṓn) bezieht, z.B. das Leben oder die Strafe, die zum kommenden Zeitalter gehören
    (Innerhalb dieser objektiven Untersuchung wird man auf keinen einzigen Widerstand stoßen, ausgenommen der Tradition)

    Ein Prüfen aller Stellen (Vorkommen) als Vergleich mit dem Wort „Ewigkeit“ und „ewig“ (inkl. Singular und Pluralform) wird an den meisten Stellen in Sinnlosigkeit enden, wenn die Definition einen Zeitraum ohne Anfang und/oder Ende, also ein unendliches Zeitkontinuum bezeichnet und das abgeleitete Adjektiv „ewig“ etwas beschreibt, das für immer besteht, nie endet oder zeitlos ist.

    Nachtrag 😉

    In den antiken Sprachen wie Hebräisch oder Altgriechisch gibt es keine moderne „lineare“ Zeitvorstellung wie bei uns.
    „Olam“ (Althebräisch) und „Aion“ (Altgriechisch) bezeichnen ein Zeitalter, eine Zeitepoche.
    Man liest und versteht objektiv zum Beispiel Plural: „in die Zeitalter der Zeitalter“ – im Hebräischen: olam olamim (עוֹלָם עוֹלָמִים), oder im Griechischen: eis tous aionas ton aionon (εἰς τοὺς αἰῶνας τῶν αἰώνων).

    Wenn „Ewigkeit“ ein Zeitraum ohne Anfang und/oder Ende ist, dann ist es kein messbarer Zeitabschnitt! Also wird es sinnlos, von „mehreren Ewigkeiten“ zu sprechen. Mehrere Unendlichkeiten nebeneinander? Mathematisch oder logisch ist das problematisch.

    Historisch gesehen haben viele Übersetzer der Bibel, vor allem in der Spätantike und im Mittelalter, die Begriffe nicht neutral, sondern dogmatisch geprägt übersetzt.
    Was wir heute unter „Ewigkeit“ verstehen, ist maßgeblich durch Übersetzungen und die theologische Tradition geprägt, nicht durch den Sinn und Wortlaut der Originaltexte!
    Theologische Vorannahmen (z. B. ewige Hölle, ewiges Leben, lineares Weltende) haben oft beeinflusst, wie „olam“ oder „aion“ übersetzt wurden.

    Der Gedanke von „Ewigkeit“ als „unendlich und absolut“ ist nicht originär biblisch (ursprüngliches Verständnis des Grundtextes), sondern eine spätere dogmatische Interpretation, die von Philosophie (z. B. Platonismus), kirchlich-institutioneller Lehre und sprachlichen Missverständnissen geprägt ist. Es wurde aber auch subjektives und institutionelles Gedankengut bewusst eingebaut, damit die Idee einer unveränderlichen Ewigkeit, jenseits der Zeit zum theologischen Standard wurde.

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