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Uwe Spieß
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Ari Yasmin Lee

In dieser bewegenden und intimen Folge begrüßt Uwe die Theologin und frisch gewählte reformierte Pfarrerin Ari Yasmin Lee. Ari ist die erste Betroffene, die öffentlich mit ihrem Namen und Gesicht über ihre Kindheit und Jugend bei der Freien Christlichen Jugendgemeinschaft (FCJG) Lüdenscheid gesprochen hat.

Sie nimmt uns mit auf ihren Lebensweg: Aufgewachsen bei den Großeltern aufgrund der Drogenabhängigkeit ihrer Mutter, zieht sie mit 11 Jahren erstmals zu ihrer Mutter, gelangt über die Drogen-Reha Haus Wiedenhof in den Einflussbereich der FCJG und erlebt dort über sieben prägende Jahre hinweg exzessive spirituelle Kontrolle, Isolation und geistlichen Missbrauch.

Ari berichtet offen über systematische Gehirnwäsche, erzwungene Dämonenaustreibungen („Geist von Jezebel“), verweigerte medizinische Versorgung bei Krankheiten, Verbot von Freundschaften und Bildung sowie Konversionstherapie-Versuche bezüglich ihrer sexuellen Orientierung. Doch ihre Geschichte endet nicht in der Trauma-Schleife: Über den mutigen Schritt des Ausstiegs, das Nachholen des Abiturs und ein Theologiestudium in der Schweiz erlangte sie ihre eigene Stimme, ihren Glauben und ihre Freiheit zurück.

„Achtet auf euer Herz. Das ist so wichtig in allen Angelegenheiten. Sei es im Glauben oder überall sonst. Das Herz, das Selbst, die Seele — wir haben nur eine. Jeder Mensch ist so unheimlich wertvoll.“ — Ari Yasmin Lee

Links:

Website und Blog von Ari: https://arilee.org/

Podcast „Heilig Schräg„: https://open.spotify.com/show/6F4h4zgE3vOtI5RhzJIbkK?si=99a1dd07a20d4450

Blog von Ari über die FCJG Lüdenscheid: https://arilee.org/2026/04/08/gefahrliche-dynamiken-kontrolle-machtmissbrauch-und-abhangigkeit-in-der-fcjg/

Website „FCJG Lüdenscheid“: https://www.fcjg.de/de/


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Kapitelmarker:

(00:00) Begrüßung & Entstehungsgeschichte — Erstmals im Beichtstuhl: Über das Mut-Fassen, an die Öffentlichkeit zu gehen, und Uwes eigene Erinnerungen an Walter Heidenreich.

(03:51) Kindheit, Drogenkarriere der Mutter & Erstes Zusammenwohnen — Aufwachsen bei den Großeltern, die Suchtgeschichte der Mutter und das abrupte Verlassenwerden mit 11–12 Jahren.

(09:44) Ankunft im Haus Wiedenhof (FCJG Lüdenscheid) — Leben in der Drogen-Reha: Dämonisierung von Psychologie, strikter Tagesablauf und Versteckspiel im Hotel.

(13:00) Erster Druck, Bekehrung und Prophezeien auf Knopfdruck — Bibel-Roulette und Gruppen-Druck auf Kinder & Jugendliche in den FCJG-Jugendgruppen.

(16:46) Kontrolle von Freundschaften & Seelsorge-System — Systematische Isolation, Entfremdung von Freunden unter dem Vorwand „geistlicher Gefahr“ und Beziehungs-Kontrolle.

(19:20) Der „Geist von Jezebel“ & Lautstarke Gebetssessions — Kritische Fragen zur Bibel führen zu Dämonenaustreibungen und Anbrüllen im Gebet durch Leiter.

(21:20) Queerfeindlichkeit, Exodus International & Konversionsversuche — Entdeckung der eigenen Homosexualität, Gebete gegen den Karneval in Rio und Konversionstherapie.

(26:32) Bildungsverbot & Einschränkung der Entfaltung — Keine Tanzschule, kein Gymnasium, kein Star Wars oder Faust — Das Frauenbild der Bewegung („Tochter Evas“).

(31:22) Traumatische Erfahrungen & Schuldumkehr (Victim Blaming) — Übergriffe im Alltag, mangelnder Schutz durch das Umfeld und verletzende Täter-Opfer-Umkehr.

(38:26) Missionsreisen & Der Bruch bei Konferenzen — Reisen nach Spanien und auf die Philippinen; das Eskalieren von Ekstase und Tiergeräuschen im Saal.

(44:10) Körperliche Folgen & Die Flucht / Der Ausstieg — Mittelohrentzündung als „Ungehorsam“, Auszug mit 19 Jahren, Abi-Nachholen und Bruch mit der FCJG.

(48:01) Spätfolgen, Gottesbild & Aufarbeitung im Theologiestudium — Verstörung des Gottesbildes, Neuanfang in der Schweiz und Versöhnung mit der Theologie in neuer Sprache.

(51:23) Wahl zur Pfarrerin & Ein Blick in die Zukunft — Erfolg in der Schweizer Reformierten Kirche, Aris Podcast „Heilig Schräg“ und abschließender Appell.


Ein Kommentar zu „#047 – Spiritueller Missbrauch bei der FCJG Lüdenscheid & der Weg in die Freiheit (mit Ari Yasmin Lee)“

  1. Avatar von Judith Böge
    Judith Böge

    Hallo Uwe, hallo Ari,
    vielen Dank für euren Beitrag.
    Ich war selbst als 18-Jährige bei einem Sommereinsatz in Lüdenscheid. Inhaltlich habe ich bisher immer nur die Lobeshymnen über die FCJG gehört und war sehr erstaunt darüber deine Geschichte Ari zu hören. Es hat mir die Augen, über einen meiner damaligen Jugendleiter, geöffnet. Er und seine Frau haben einen „neuen Wind“ in unsere Jugend gebracht und ich war von Anfang an nicht glücklich darüber. Später hat er mit seiner Frau, meinem Bruder und meiner Schwägerin eine neue „Gemeinde“ gegründet. Mein Bruder war sehr schnell mit einigen Dingen nicht einverstanden und wurde daraufhin aus der Gemeinde gemobbt und seine Frau wurde so manipuliert, dass sie sich von ihm getrennt hat. Wir haben diese Gruppe in der Familie nur Sekte genannt. Vieles von dem, was du berichtet hast war auch der Umgangston in dieser Sekte. Schlimm war, dass auch seine vier Kinder von dem Vater isoliert wurden und wir absolut keine Möglichkeit gesehen haben, wie wir sie vor dem Einfluss hätten schützen können. Als Opfer bekommst du Hilfe, aber als Zusehende ist es sehr schwierig Hilfe für die Opfer zu bekommen. Alle vier Kinder haben sehr zu kämpfen und zwei von Ihnen sind sogar Süchtige geworden (Magersucht + Tablettensucht). Es ist so heftig für mich zu entdecken, wie die Strukturen in Gemeinden mehr als grenzwertig sind und wie lange ich selbst jetzt schon davon beeinflusst wurde. Aufgrund meiner eigenen Geschichte fühlte sich Gemeinde als die einzige sichere Konstante an und ich konnte nicht erkennen, wie sehr sie mir selbst im Weg standen, um seelisch und körperlich gesund zu werden. Erst nachdem ich radikal anfing meinen eigenen Weg zu gehen und mich z.B. von meinen Eltern getrennt und mich von meiner Familie distanziert habe, erlebe ich nun, dass ich seelisch gesünder werde. Der Körper streikt nach wie vor, aber ich bin so dankbar, dass ich mit mehr Freude am Leben und Selbstwertgefühl leben. Vielen Dank also, für diesen Beitrag, der für mich wieder ein kleines Puzzleteil meines Vergangenheitsrätsel war.
    Herzliche Grüße und weiterhin viel Freude, Kraft und Liebe für eure Dienste,
    Judith

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